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Wie viel kostet eine Finanzberatung?

Wir haben uns daran gewöhnt, mehr zu bezahlen, als eigentlich notwendig ist. Der Preis vieler Produkte des täglichen Bedarfs setzt sich nicht nur aus den Herstellungs- und Beschaffungskosten, sondern gleichzeitig aus Provisionen für den Zwischenhandel zusammen.

Auch in der Finanzberatung ist dies ein gängiges Geschäftsmodell. Sicher lässt sich eine Geldanlage kaum mit dem Kauf eines alltäglichen Haushaltsproduktes vergleichen, strukturell jedoch bestehen große Ähnlichkeiten. Dass dies so gut funktioniert, hängt mit der Bequemlichkeit und auch dem Vertrauen des Menschen zusammen. Banken führen über Jahre hinweg die Konten von Kunden, genauso wie Versicherungen verschiedene Risiken absichern. Das schafft ohne Frage eine Vertrauensbasis, die letztlich dazu führt, dass dieselben Institutionen für die Beratung in Bezug auf Altersvorsorge oder die Finanzplanung in Anspruch genommen werden.

Der Kunde freut sich, eine umfassende Beratung erhalten zu haben und glaubt, dass sein Geld zu den besten Konditionen angelegt ist. Das alles dazu noch kostenlos, denn die zwei Stunden in der Bank, im Versicherungsbüro oder auch zu Hause werden natürlich nicht berechnet. Es erscheint selbstverständlich, dass diese Beratung völlig unentgeltlich geleistet wird, nur zum Wohle des Kunden? Dies ist jedoch nicht so. Berater, die direkt bei einer Bank oder einer Versicherung angestellt oder als Freiberufler für bestimmte Unternehmen der Branche tätig sind, werden nur die Produkte in ihre Anlagenberatung einfließen lassen, für die sie Provisionen erhalten. Gerade bei Banken und Versicherungen machen die Provisionen neben dem Festgehalt den wichtigsten Bestandteil des Einkommens aus. Bezahlen tut dies der Kunde über die Einlagen, die nach Abschluss des Vertrages von ihm geleistet werden. Wer nun glaubt, dass es sich dabei nur um kleine Beträge handelt, der irrt gewaltig. Die Provisionen können bis zu 30 % des gesamten Anlagebetrags darstellen. So etwa in Aktienfonds. Ein einfaches Beispiel hierzu:

Anlagesumme: 10.000 Euro über 30 Jahre Laufzeit Provision für den Anlageberater in diesem Zeitraum: 30 % = 3.000 Euro*

*Quelle: Bundesverband der Verbraucherzentralen

Unabhängige Honorarberater – der bessere Weg

Noch einmal zur Verdeutlichung: Berater, die Fest angestellt sind oder im Namen von bestimmten Banken, Sparkassen oder Versicherungen tätig werden, sind gleichzeitig provisionsabhängig. Sie werden nur Produkte zur Geldanlage empfehlen, die ihnen ihren Verdienst sichern. Mit etwas Glück können dies auch tatsächlich Anlagen sein, die sich für den Kunden auszahlen. Aber es sollte immer im Gedächtnis bleiben, das die Provision für den Berater die Einlage und damit letztlich auch den Zinsgewinn schmälert. Dies gilt natürlich ebenso bei der Vermittlung von Krediten oder einer Hypothek, etwa zur Baufinanzierung.

Eine „kostenlose“ Finanzberatung gibt es nicht

Was kostet den nun aber eine Finanzberatung? Erfolgt die Beratung zu den Finanzen wirklich unabhängig und rein auf Honorarbasis, wird der zu zahlende Betrag im Voraus festgelegt. Das ist gut angelegtes Geld, zumal das Erstgespräch meist kostenfrei geführt wird. Selbst bei kleinen Anlagen lässt sich im Verhältnis zu provisionsgestützten Produkten durch die Honorarberatung viel Geld sparen. So etwa bei einer Rentenversicherung, für die im Monat 100 Euro einbezahlt werden. Bei einer 30-jährigen Laufzeit fallen hier über 1600 Euro an Provisionen für den Vermittler an. Der oder die Versicherte bezahlt also die ersten 16 Monate nur den Makler. Das lässt sich bei einer Beratung, für die ein einmaliges Honorar bezahlt wird, zu einem großen Teil einsparen. Laut einem Bericht des Manager Magazins verlieren Anleger und Sparer durch die verschiedenen Provisionsmodelle in der Finanzberatung jährlich zwischen 20 und 30 Milliarden Euro. Das sind die noch sehr vorsichtigen Schätzungen der Bundesregierung. Verschiedene Wirtschaftswissenschaftler gehen von weit höheren Beträgen aus. Hier wäre eigentlich die Politik gefragt, die jedoch bei diesem Thema zögerlich reagiert. In anderen Ländern, etwa England oder den Niederlanden, wurde die provisionsfreie Beratung bereits 2012 gesetzlich eingeführt. Für den Berater entfällt der Verkaufsdruck und er kann sich voll und ganz auf die Bedürfnisse seines Kunden konzentrieren. Private Anleger oder Menschen, die eine irgendwie geartete finanzielle Beratung benötigen, sind bei freien, unabhängigen Honorarberatern immer besser aufgehoben. Dabei spielt der Anlagebetrag fast keine Rolle. Sicher wird das zu bezahlende Honorar als Hindernis gesehen, letztlich aber spart es viel Geld.


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